Hoi An und der Vollmond


Ich habe einen Platz gefunden, an den ich ganz sicher wieder zurück kehren werde! Hoi An ist über den internationalen Flughafen von Da Nang auch recht gut erreichbar. Es bietet eine stark verkehrsberuhigte Altstadt, einen per Rad leicht erreichbaren Strand mit netten Strandlokalen und gratis Liegen und Schirmen, Schneider und Schuhmacher an jeder Ecke und hervorragendes Essen und ist außerdem Weltkultur Erbe.

Auf der Fahrt von Hue nach Hoi An. Es ist ziemlich kühl!

Auf der Fahrt von Hue nach Hoi An. Es ist ziemlich kühl!

In Hue war es inzwischen richtig kalt geworden. Wir froren an unseren letzten zwei Abenden richtig, weil wir nur mit kurzer Hose und ohne Jacke unterwegs waren. Wir hatten eine Tour von Hue nach Hoi An gebucht und so sparten wir uns Zug und Bus bis Da Nang und dann dort noch das Umsteigen. Dafür fuhren wir über den Paß, besichtigten auf dem Weg Marble Mountain und wurden von Hotel zu Hotel transportiert. Und das Ganze noch dazu billiger, als wenn wir den Zug genommen hätten! Aber wir hatten schlechtes Wetter: es regnete, es war kalt und am Pass konnte man wegen des Nebels nicht viel sehen. Die Strecke über den Berg wird von den Vietnamesen nicht so gerne gefahren. Sie sagen, dass sie verhext ist, weil es so viele Unfälle gegeben hat. Wenn an der Straße ein tödlicher Unfall passiert, meint man, dass der Geist manchmal dort bleibt, weil er nicht das Fährgeld in die nächste Welt eingesteckt hat. Wenn dann an der selben Stelle wieder ein Unfall passiert, glaubt man, dass der Geist daran schuld ist. Um ihn zu besänftigen und zu versöhnen wird dann ein kleiner Tempel gebaut. Auf der Strecke gibt es sehr viele kleine Tempel. Es gibt auch die Geschichte, dass ein Geist in Form einer weiß gekleideten, schönen Frau unterwegs ist, der in der Nacht versucht Mopeds oder Autos zu stoppen, um mit genommen zu werden. Wer stehen bleibt, hat der Geschichte nach, kurz darauf einen tödlichen Unfall. Unser Guide hat ganz ernst gemeint, dass man schon ein ganzer Mann sein muss, um in der Nacht über diesen Pass zu fahren. Und wenn man die weiße Frau sieht, sollte man schleunigst umdrehen und bloß nicht stehen bleiben. Aber Gott sei Dank gibt es jetzt ja seit Neuestem einen Tunnel durch den Berg!

Marble Mountain bei Hoi An. Lucky Buddha: dicker Bauch, große Ohren

Marble Mountain bei Hoi An. Lucky Buddha: dicker Bauch, große Ohren

Marble Mountain ist eigentlich eine Gruppe von Bergen, von denen jeder eine andere Gesteinsfarbe hat – den Farben der 5 Elemente im Buddhismus entsprechend. Wir sahen uns den blauen Berg an und hatten eine Stunde Zeit. Die brauchten wir auch. Hier war es bedeutend wärmer und schwüler als die letzten paar Tage in Hue. Und es waren tatsächlich mehr als 170 Stufen bis zu den Pagoden und Höhlen hinauf zu steigen. Aber es hat sich gelohnt und die Bewegung hat uns nicht geschadet.

Unser Hotel in Hoi An lag etwas außerhalb der Altstadt direkt am Fluss. Wir hatten ein sauberes Zimmer mit Balkon und einen Pool. In den konnten wir immer wieder eintauchen, wenn wir uns abkühlen wollten. Das ist viel effektiver, als nur kalt zu duschen, weil wirklich der ganze Körper herunter gekühlt wird. Außerdem ging hier der Wind etwas mehr und es war um sicher 5 Grad kühler als in der Stadt selbst. Für die Stadt musste man sich ein Ticket kaufen, mit dem man insgesamt 5 der sehenswerten Häuser, Tempel, Pagoden, Versammlungshäuser und Brücken besichtigen konnte. Das Ticket kostete umgerechnet 6 Euro und der Erlös sollte der Erhaltung der Altstadt zugute kommen.

am Strand von Hoi An im La Plage Strandbeisl, Vietnam

am Strand von Hoi An im La Plage Strandbeisl, Vietnam

Wir waren natürlich auch am Strand. Wir hatten ja schon sehr lange keinen Strandtag mehr. Das letzte Mal war auf Mantanani Island in Sabah und das war schon mehr als 5 Wochen her. In unserem Hotel gab es gratis Leihfahrräder, die eigentlich ganz gut in Schuß waren. Nur der Sattel hatte eine eigenartige Neigung, aber daran hatten wir uns bald gewöhnt. Der Verkehr in Vietnam ist ein eigenes Thema. Wir hatten nur von unserem Guide mitbekommen, dass wir unbedingt ganz rechts fahren sollten, damit wir nicht von überholenden oder im Gegenverkehr überholenden Autos abgeschossen werden. Eine super Voraussetzung für eine entspannte Strandfahrt!!! So schlimm war es dann doch nicht, aber angenehm war es auch nicht. Außerdem hatten wir am Strand angekommen noch eine unerfreuliche Begegnung mit einer Parkplatzhexe. Im Hotel hatten sie uns schon darauf vorbereitet. Aber ich war wirklich grantig, als diese Frau tatsächlich mein Fahrrad angriff und uns nicht weiter fahren lassen wollte. Mir war schon klar, dass man mit dem Rad nicht an den Strand durfte, aber ich wollte an der parallel verlaufenden Straße weiter weg vom Trubel fahren, was wir schlussendlich auch taten. Aber geärgert habe ich mich trotzdem. Bis zu dem Moment, als wir am Ende des Weges beim La Plage Restaurant angekommen sind. Hier konnten wir unsere Räder gratis stehen lassen. Wir setzten uns auf die schattige Terrasse und hatten eine ganze Polstergarnitur für uns und einen wundervollen Blick über die Strandschirme hinweg. Nach Baden war uns eigentlich nicht. Die Wellen waren ziemlich groß und wild und der Sand war ganz fein, wie Puderzucker. Und gerade das letztere ist etwas, was Luzie und ich nicht so gerne haben. Ich hasse es, wenn ich den Sand in jeder Ritze habe und er nach 2 Wochen immer noch was aus den Haaren rieselt! Aber so leicht erhöht ließ es sich ganz gut aushalten. Auch der Wind zog angenehm durch, der Schatten war perfekt und die Kätzchen kamen um zu kuscheln. So stelle ich mir den perfekten Tag vor.

Vorbereitungen für das Vollmondfest in Hoi An, Vietnam

Vorbereitungen für das Vollmondfest in Hoi An, Vietnam

Wir haben Hoi An eigentlich wegen des Vollmondfestes ausgesucht. Unsere ganze Vietnamreise wurde rund um den Vollmond geplant. Davor im Norden, danach im Süden. Und zu Vollmond in Hoi An. Wir haben es nicht bereut. In der alten Stadt werden am Vollmond Abend alle elektrischen Lichter abgeschaltet und die ganze Stadt wird nur mit Laternen erleuchtet. Außerdem werden kleine Laternen auf dem Fluss schwimmen gelassen. Das Ganze findet zu Ehren der Ahnen zu jedem Vollmond statt und zieht Hunderte von Touristen an. Wir setzten uns in der Stadt am Fluss in ein Lokal, in dem man auf einer Terrasse im ersten Stock wunderbar das ganze Geschehen beobachten konnte. Unten an der Promenade bereitete eine alte Frau ihre Laternen vor, die sie an die Passanten zu verkaufen versuchte. Sie hatte auch eine eigene Vorrichtung mit der man die Laternen gut zu Wasser bringen konnte. Irgendwie erinnerte sie uns an die Christl-Oma. Sie war auch so zierlich und beweglich, hatte ganz viele Falten und eine sonnengegerbte Haut und hellwache, große braune Augen. Und sie rauchte zwischendurch eine Zigarette. Christl hätte wohl als ihre Schwester durchgehen können.

bunte Laternen in der ganzen Stadt: Hoi An bei Vollmond

bunte Laternen in der ganzen Stadt: Hoi An bei Vollmond

Auf dem Heimweg sind wir durch die Stadt gegangen. Es war unheimlich viel los. Es gibt auch viele spezielle Bräuche, die gepflegt werden und die wir so nicht verstehen. Aber die vielen bunten Laternen alleine waren schon sehr beeindruckend. Die Stimmung war trotz der Menschenmassen wunderschön. Am Fluss war es etwas ruhiger und hin und wieder trieb ein Laternchen vorbei. Bis zu unserem Hotel haben sie es allerdings nicht geschafft.

Wir sind mit Luzie in Hoi An oft durch ganz enge Gassen gegangen. Einmal haben wir uns sogar verlaufen und standen am Ende vor der Toilette eines Hauses. Der Mann der zu dem Haus gehörte, lachte nur, als wir wieder um die Ecke kamen und zeigte uns in welche Richtung wir gehen sollten. Auch die anderen Menschen, denen wir in diesem Gassengewirr begegneten waren sehr freundlich. Es sprach zwar keiner Englisch, aber sie schauten ganz freundlich und als sie uns am Rückweg sahen, lachten sie und nickten. Wir waren sicher nicht die ersten Langnasen, die sich hierher verirrten.

Fischer bei einer Pagode in Hoi An

Fischer bei einer Pagode in Hoi An

In Hoi An gibt es verschiedene Spezialitäten, die man unbedingt gekostet haben sollte. White Rose sind kleine weiße Teigpäckchen, die ein bißchen an Rosen erinnern. Sie sind pikant gefüllt und werden mit gerösteten Zwiebeln gereicht. Fried Wonton schauen anders aus, als man es erwarten würde. Der Wonton-Teig wird frittiert und darauf wird eine Masse aus Tomatenwürfeln, Schweinefleisch, Garnelen und Kräutern verteilt. Das schmeckt sehr gut! Und die Banh Mi sind in Hoi An besonders gut, angeblich. Wir haben leider keines der Baguette, die mit Salat, Tomaten und Fleisch gefüllt sind gekostet, da ich in Hue keine so gute Erfahrung damit gemacht hatte. Damals hatte ich 3 Tage Bauchweh und Blähungen.

An ein Bild kann ich mich noch gut erinnern. Wir gingen mit Luzie Richtung Zentrum und kamen bei einer kleinen Pagode vorbei. Die Pagode war von einem Wassergraben umgeben, über den in jeder Himmelsrichtung eine Brücke hinüber führte. Im Schatten saß ein Mann mit einer Angel und fischte.

Hoi An ist zwar sehr touristisch, aber es ist trotzdem eine charmante kleine Stadt mit wunderschönen alten Häusern, geschmackvollen Geschäften, sehr gutem Essen, netten kleinen Gassen und einem Strand, der sich nicht zu verstecken braucht. Hoi An, wir kommen wieder!! Und wer mehr Fotos sehen will, klickt hier!